1 MyNet - Neue Kooperations- und Wertschöpfungsmodelle sowie effiziente Organisations- und Logistikstrukturen zur Fertigung kundenindividueller Produkte
Im Verbundprojekt sollen neue, übergeordnete Kooperations- und Wertschöpfungsmodelle, die die nachhaltige wirtschaftliche, sozioökonomische und technologische Integration von kundenindividueller Massenproduktion auf Basis der zu entwickelnden neuen Infrastruktur durchgängig erlauben, entwickelt werden. Dazu sind unterschiedliche Geschäftsmodelle anhand wirtschaftlicher Kenngrößen zu analysieren und zu evaluieren.
Durch die kundenindividuelle Massenproduktion ergeben sich darüber hinaus Konsequenzen und neue Anforderungen auch an die Qualifikation der Mitarbeiter. Diese neuen Anforderungen sollen untersucht und analysiert werden. Es werden Vorschläge für Qualifizierungs- und Kompetenz-entwicklungskonzepte für alle Teile des Netzwerkes erarbeitet.
Abschließend soll durch die betriebswirtschaftliche Untersuchung der Grundstein für die schnelle Ausweitung des MyNet-Netzwerkes auf andere Händler und Hersteller gelegt werden. Dafür ist eine Analyse der kritischen Erfolgsfaktoren, der Kostenstrukturen Kosten- und Gewinnverteilung im Netzwerk dringend notwendig.
2 MyNet - Offene Informationsplattform für kundenindividuelle Produkte
Die Komponenten von MyNet sollen als offene Informationsintegrations- und Kommunikations-Plattform realisiert werden. Mit Hilfe einer internetbasierten, dynamisch konfigurierbaren Client/Server-Architektur und angekoppelten zentralen Datenbanken werden die Informationsschnittstellen Geschäft, Produktion und Disposition miteinander synchronisiert.
Die Aufgabe der MyNet-Plattform besteht in der Bereitstellung und dem Austausch aller notwendigen Informationen zwischen Kunde, Händler, Hersteller und Zulieferer über Kunden, Produkte und Dienstleistungen in der geforderten Qualität, Quantität und Aktualität für das Zustandekommen und Abwickeln der Auftragsbeziehungen zwischen Kunde - Handel, Handel - Hersteller und Hersteller - Zulieferer.
Die Verbindung über ein unternehmensübergreifendes Netzwerk ermöglicht die Einbindung von Handels- und Produktionsunternehmen unabhängig von deren Größe und Kapazität. Dadurch wird die Möglichkeit erschlossen, auch kleinere Unternehmen und Handwerksbetriebe, die mit einem individualisierbaren Produkt eine attraktive Dienstleistung für den Kunden anbieten, in eine komplette Handelsinfrastruktur einzubetten.
3 Basistechnologien und Funktionalitäten in der MyNet-Infrastruktur
Innerhalb der Netzwerk-Struktur müssen eine Reihe von Basistechnologien integriert werden, die einerseits dem Handel oder im Internet das von Produzenten angebotene Produktspektrum verfügbar machen und andererseits den Produzenten die aus den im Handel gewonnen kundenindividuellen Daten notwendigen Informationen für die Fertigung bereitstellen. Dazu sind die entsprechenden Methoden und Verfahren zu entwickeln.
3.1 Produktdatenmodell für Bekleidung
Entwicklung eines allgemeinen Produktdatenmodells für die Bekleidungsindustrie als Standard für den unternehmensübergreifenden Austausch von Produktdaten. Diese bilden die Basis für die unternehmens- und produktübergreifende Realisierung von Methoden und Werkzeugen für die Produktkommunikation. Hier sind die insbesondere die funktionellen und inhaltlichen Anforderungen in den verschiedenen Stufen der Produktgestehung zu berücksichtigen, die aus den Variationsmöglichkeiten beim Individualisierungsprozess entstehen.
3.2 Kundendatenmodell mit individuellen, adaptiven Kundenprofilen
Die zentrale Haltung personenbezogener Daten wie 3-D Bodyscans bedarf spezieller Speicher und Schutzmechanismen. Hier werden insbesondere Verfahren zur hocheffizienten Komprimierung und Speicherung von 3-D Scan Daten (mehrere hunderttausend 3D-Punkte) und Fragen der Datenintegrität sowie datenschutzrechtliche Fragestellung bei der zentralen Speicherung untersucht und umgesetzt.
Neben der objektiven Beurteilung spielt die subjektive Beurteilung der Passform und des Tragekomforts durch den Kunden selbst, sowie dessen persönlichen Tragegewohnheiten und dessen ästhetisches Empfinden eine entscheidende Rolle. Eine Profilierung des Kunden ausschließlich über dessen Körpermaße reicht daher nicht aus. Für die Erstellung und Adaption individueller Kundenprofile sollen daher weitere, subjektive, die Produktdimensionierung und Produktauswahl steuernde Merkmale, modelliert werden.
Neben der kundenindividuellen Gestaltung und Fertigung von Produkten (z.b. Maßkonfektion) spielt die kundenindividuelle Größenzuordnung von vorkonfektionierten Produkten eine erhebliche wirtschaftliche Rolle und bietet insbesondere im Versandhandel erhebliches Potenzial zur Steigerung der Kosteneffizienz durch Reduktion der Retourenquoten. Rein körpermaßbasierte Zuordnungsverfahren auf Basis der üblicherweise in standardisierten Größentabellen (z.b. HAKA-Tabelle, DOB-Tabelle, etc.) beschriebenen Konfektionsgrößen reichen für eine kundenindividuelle, herstellerübergreifende Auswahl der bestpassenden Größe nicht aus. Hier sind erweiterte Produktbeschreibungen, die Berücksichtigung individueller subjektiver Kriterien (individuelle Kundenprofile) sowie die Entwicklung neuer Verfahren zur Korrelation von Kunde und Produkt für eine zuverlässige, automatische Größenzuordnung notwendig. Ferner basiert die heutige industrielle Umsetzung der Maßkonfektion auf der schnitttechnischen Anpassung von Basisgrößen, sodass die kundenindividuelle Größenzuordnung unter industriellen Gesichtspunkte einen notwendige Voraussetzung zur Umsetzung der Maßkonfektion darstellt.
3.3 Produktkommunikation und Co-Design des Kunden
Produktkommunikation und interaktive Mitgestaltung des Kunden bei der Auswahl und Zusammenstellung des Wunschproduktes (Produktkonfiguration) am POS (Point of Sales). Für die Produktpräsentation und Produktkonfiguration soll auf Basis eines unternehmensübergreifenden Produktmodells ein internetbasiertes Softwaresystem realisiert werden, das die Bereitstellung der herstellerspezifischen Produktinformation für Visualisierung und Konfiguration ermöglicht. Die zur Produktpräsentation und -konfiguration notwendigen Informationen werden durch die Hersteller über einen entsprechenden Produktkonfigurator in die MyNet-Plattform eingepflegt. Zur Berücksichtigung subjektiver Kriterien bei der Produktauswahl soll eine zusätzlich Komponente integriert werden, die ästhetische Kriterien und Geschmacksfragen berücksichtigt, und somit den Kunden bei der individuellen Produktgestaltung (Form, Farbe, Material) effektiv unterstüzt.
4 Ankopplung von Prozessketten für kundenindividuelle Massenprodukte bei Handel, Herstellern und Zulieferern
Für die Ankopplung der Prozessketten sind im wesentlichen zwei Integrationsschwerpunkte zu unterscheiden:
4.1 Definition und Realisierung von Schnittstellen
Die Definition und Schaffung von Schnittstellen, die den unternehmensübergreifenden Informationsaustausch ermöglichen und sicherstellen. Dabei ist einerseits zwischen produktbeschreibenden Daten, die das Leistungsspektrum und Auftragsabwicklungsdaten, die den aktuellen Unternehmenszustand (z.B. freie Produktionskapazitäten, Bearbeitungsstand für Order-Tracking etc.) zu unterscheiden. Die unternehmensinterne Verwaltung der Informationen zur Auftragsabwicklung erfolgt in vielen Unternehmen bereits durch entsprechende ERP oder PPS Systeme, sodass hier die Schaffung ent-sprechender Schnittstellen zum Informationstransfer in die und aus der MyNet-Plattform notwendig wird.
4.2 Ankopplung der Partner - Vertikale Produkterweiterung
Die Modellierung und Anpassung der unternehmensinternen Prozesse, um die Fertigung kundenindividueller Produkte auf Basis von Kundendaten zu ermöglichen. Dazu gehört insbesondere der Aufbau der unternehmensinternen Informationsinfrastruktur und die Strukturierung und Abbildung der internen Prozesse.
Im Rahmen des Projektes erfolgt die Umsetzung und Ankopplung industrieller Prozessketten für Maßkonfektions-Bekleidung sowohl auf industriell als auch handwerklich orientierter Basis. Exemplarisch sollen die Prozessketten für die Fertigung von kundenindividuellen Herrenanzügen und Herrenhemden sowie Damenblusen umgesetzt und in die MyNet-Plattform als Schnittstelle zum Handel integriert werden.
Die Firma HUMAN SOLUTIONS entwickelt dabei die MyNet-Plattform als Basistechnologie für die Vernetzung der unterschiedlichen Partner. Die Prozesskette für HAKA-Anzüge und Hemden besteht aus der Willy Schmitz Tuchfabrik als Lieferant für Anzugstoffe, der Firma Odermark als Anzugproduzent und der Firma Rieder als Hemdenhersteller. Beide Produkte werden von der Firma Cove ergänzend im Handel angeboten. Bei der DOB-Prozesskette werden von der Firma Rieder Damenblusen hergestellt und von der Firma Cove im Handel angeboten.